Vortrag in Szeged am 19.10.1998 zu dem Thema

Deutsch-ungarische Beziehungen in Kultur und Wissenschaft

 

Ich werde heute also über die Beziehungen unserer beiden Länder im Kultur- und Wissenschaftsbereich sprechen. Vieles wird Ihnen gar nicht neu sein, aber es bietet sich an, sich zusammenfassend unsere Beziehungen einmal zu verdeutlichen.

 

Fangen wir mit der Kultur an. Ein weiter Begriff, er beinhaltet einerseits das kulturelle Erbe - wie Sie Ihr neues Ministerium nennen - und ist andererseits ein Begriff, der ständig im Wandel ist, Träger neuer Trends in Gesellschaft und Politik, mit wechselnden Vorzeichen und Rahmenbedingungen. Ich erwähne die im Trend liegenden Schlagworte oder Konzepte wie Kultursponsoring, d.h. also Verflechtung von Kultur und Wirtschaft, die nicht nur aus der finanziellen Not geboren ist, sondern auch aus der Erkenntnis, daß Kultur sehr wohl Partner und Mitgestalter wirtschaftlicher Prozesse sein kann, wobei natürlich die Wirtschaft nicht den Staat ersetzen soll, um nicht Kultur und Kreativität ganz unter ökonomische Gesichtspunkte zu stellen. Unser früherer Außenminister Kinkel sagte aber auch einmal dazu: "Es darf keine gelenkte Staatskultur geben". Weitere Konzepte sind in Deutschland im Gespräch wie

 

stärkere Förderung des Mäzenatentums wie in den USA,

Gründung einer Stiftung "Auswärtige Kulturpolitik".

 

Dann gibt es die Schlagworte Kulturmanagement, Freizeitgesellschaft - wie wir uns zum Teil selbst charakterisieren. In einer Zeit, in der durch Automation und neue Technologien die Arbeit weniger wird, bedarf es der Gestaltung dieser Freizeit natürlich auch durch Kultur, Kunst und Sport. Dann das Schlagwort Kulturbetrieb. Bei uns in Deutschland besonders vielseitig und pluralistisch strukturiert, doch noch primär von staatlicher Seite gefördert, von den Ländern, Städten und Gemeinden.

 

Nun aber vor allem zu der deutschen auswärtigen Kulturpolitik, die uns hier ja interessiert, und die die Voraussetzungen auch für die kulturellen Beziehungen zu Ungarn schafft.

 

Die Zuständigkeiten für die auswärtige Kulturpolitik, für die wir pro Jahr ca. 3,6 Milliarden ausgeben, sind in Deutschland auf 9 Ministerien verteilt, nur ein Drittel des Haushalts wird von unserem Auswärtigen Amt (AA) verwaltet. Dieser Pluralismus hat manchmal Nachteile, die Koordination funktioniert nicht immer perfekt, und es fallen viele Kosten der Verwaltung an. Eine Reorganisation ist von der neuen Regierung in Angriff genommen. Dazu kommt die eigene Zuständigkeit der einzelnen Bundesländer für den Kulturbereich mit ihren eigenen Kultusministerien und nachgeordneten Mittler-Organisationen; eine Koordinierung findet durch die Ständige Konferenz der Kultusminister des Bundes und der Länder mit rotierendem Vorsitz statt. Die Zuständigkeiten für die Auswärtige Kulturpolitik liegen jedoch primär beim Auswärtigen Amt (AA), aber , wie gesagt, in der Durchführung auch bei einzelnen Ministerien, wie dem Bundesministerium für Bildung und Erziehung, Forschung und Technologie, kurz BMBF genannt, das vor allem auch den akademischen und -Wissenschaftleraustausch fördert, aber auch den Austausch im Bereich berufliche Bildung sowie die bildungspolitische Zusammenarbeit in internationalen Organisationen; das BMBF ist generell zuständig für die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit dem Ausland. Darüber sprechen wir später noch eingehender.

 

Soeben erfahre ich, daß von der neuen Bundesregierung eine Behörde für kulturelle Aufgaben geplant wird, die über 300 Mitarbeiter und einen Etat von drei Milliarden DM verfügen und den Kulturbereich übernehmen soll, der bisher beim Innenministerium ressortierte. Der Behörde vorstehen soll der Verleger Michael Neumann als Staatsminister im Kanzleramt, das die Kompetenzen der bisherigen 9 zuständigen Ministerien bündeln soll. Unberührt davon bleibt die Auswärtige Kulturpolitik, die beim Auswärtigen Amt liegt.

 

Auch die anderen Ressorts erfüllen genau definierte Aufgaben der Auswärtigen Kulturpolitik, führen Projekte durch und sind zuständig für kulturelle Einrichtungen, für die Vermittlung von Personal ins Ausland oder Institutionen im Ausland, wie kunsthistorische Institute. Z.B. liegt die Zuständigkeit für die Deutschen Historischen Institute in London, Rom, Paris, Washington, sogar für das Orient-Institut in Beirut beim Ministerium für Bildung und Forschung, BMBF.

 

Das Ihnen allen am besten bekannte Institut und wichtigste Instrument unserer auswärtigen Kulturpolitik ist das Goethe-Institut mit Hauptsitz in München, eine unserer sog. Mittler-Organisationen zur Pflege der deutschen Sprache im Ausland, Förderung der internationalen kulturellen Zusammenarbeit und Darstellung der differenzierten kulturellen Prozesse in Deutschland. Das Goethe-Institut besitzt ca. 135 Kulturinstitute im Ausland. Es ist z.Z. strengen Rationalisierungsmaßnahmen unterworfen, die auch die schmerzliche Schließung von Instituten, wie z.B. das in Island zur Folge hatten. Dazu gibt es eine kleine Geschichte: um ihrer Enttäuschung über die Schließung Ausdruck zu geben, haben die Einwohner von Reykjavik in Island kurzerhand eine Büste von Goethe ins Meer geworfen. Man muß dabei jedoch auch erwähnen, daß 18 neue Institute eröffnet wurden, vorrangig im Raum Mittelosteuropa (MOE) und den GUS-Staaten. Von seiner Form her ist das Goethe-Institut ein eingetragener Verein, es ist unabhängig, erhält jedoch institutionelle und Projektförderung vom Auswärtigen Amt und arbeitet mit den Botschaften eng zusammen.

 

Auch die andere große Mittler-Organisation unserer auswärtigen Kulturpolitik, der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), ist Ihnen allen wohlbekannt. Er ist ein eingetragener Verein aller deutschen Universitäten, ebenfalls überwiegend gefördert vom Auswärtigen Amt, zusätzlich vom BMBF und dem Ministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit. Der DAAD verwaltet Hochschulstipendien, er vermittelt Hochschul-Lektoren und Gastdozenten und seit vergangenem Jahr einen projektgebundenen Wissenschaftler-Austausch mit Ungarn mit Geldern des BMBF. Wenn ich von Hochschule spreche, meine ich im übrigen Universität. In Ungarn sind da ja auch die Fachhochschulen gemeint.

 

Dann sind da noch weitere Organisationen und nachgeordnete Behörden, welche Aufgaben des Staates im Bereich Kultur und Bildung in den Beziehungen mit dem Ausland wahrnehmen: Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung, bei der Sie alle irgendwann einmal Stipendiaten waren. Auch die Humboldt-Stiftung wird institutionell und überwiegend auch mit Projektmitteln vom AA gefördert.

 

Die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, die ebenfalls Mittel des Auswärtigen Amts für die Entsendung von Gastlehrern für Schulen, Universitäten und Fachhochschulen vor allem zur Förderung der deutschen Sprache, in den Bereichen Methodik und Didaktik und für Fachbereiche wie den Umwelt-Unterricht zur Verfügung stellt, ist ein weiteres Instrument unserer kulturellen Beziehungen mit dem Ausland.

 

Da muß ich an ein Zusammentreffen mit Schülern denken, die gerade von einem einjährigen Aufenthalt in Deutschland zurückgekommen sind. Sie schwärmten von dem kommunikativen Unterricht im Gegensatz zu dem in Ungarn noch häufiger anzutreffenden frontalen Unterricht, vor allem aber von der großen Freiheit und der Menge Freizeit in Deutschland, so daß ich mich bemüßigt fühlte zu fragen, habt Ihr denn auch etwas gelernt? Man muß wohl einen Mittelweg anstreben.

 

Dann gibt es Inter Nationes, das seine Förderung durch das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung erhält. Es stellt Programme, auch audio-visuelle, und Informationsschriften vor allem für Multiplikatoren im Ausland her, versorgt Universitäten und Schulen mit Publikationen und Büchern.

 

Hier ist natürlich auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft zu erwähnen, die auch für Universitätsbibliotheken und Forschungsinstitute Bücher und Zeitschriften spendet. Davon konnten viele ungarische Universitäten und Institute bereits profitieren. Dann gibt es das Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart IfA, das deutsche Ausstellungen im Ausland und ausländische Ausstellungen in der Bundesrepublik organisiert. Es führt eine auslandskundliche Fachbibliothek mit Bildarchiv und versendet Bücher und Zeitschriften an Kultureinrichtungen im Ausland. Dann der Deutsche Musikrat, für die Musici unter Ihnen, die Verbindungsstelle für internationale Beziehungen und Förderer von Musikprojekten mit dem Ausland.

 

Und all diese Institutionen sind auch aktiv tätig in Ungarn. Deshalb habe ich Sie mit der Aufzählung gelangweilt. - Ich muß aber auch auf die Zusammenarbeit zwischen freien und unabhängigen Kulturträgern hinweisen, die ständig wächst und von der die Botschaft nicht immer erfährt. Grundlage für diese bilaterale Zusammenarbeit ist ein Netzwerk von Protokollen und Vereinbarungen im Rahmen des auf dem Vertrag über freundschaftliche Zusammenarbeit und Partnerschaft in Europa von 1992 basierenden Abkommens zwischen unseren beiden Ländern über kulturelle Zusammenarbeit vom 01. März 1994. Darin heißt es in der Präambel: "...in der Überzeugung, daß der kulturelle Austausch die Zusammenarbeit zwischen den Völkern sowie das Verständnis für die Kultur und das Geistesleben sowie die Lebensformen anderer Völker fördert, eingedenk des historischen Beitrags beider Völker zum gemeinsamen kulturellen Erbe Europas und in dem Bewußtsein, daß Pflege und Erhalt von Kulturgütern verpflichtende Aufgaben sind"... und in Artikel 1, Abs. 1: ....."(1) Die Vertragsparteien werden die kulturellen Beziehungen zwischen der Bevölkerung beider Länder in allen Bereichen einschließlich Bildung und Wissenschaft und auf allen Ebenen weiterentwickeln und ausbauen und damit zur europäischen kulturellen Identität beitragen". Das sind unsere Ziele.

 

Der frühere deutsche Bundeskanzler Willy Brandt nannte die auswärtige Kulturpolitik die 3. Säule der Außenpolitik. Als außenkulturpolitische Maxime gilt: "durch Kulturdialog und kulturellen Kontaktaufbau", so Außenminister Kinkel "wollen wir, ohne das Eigene preiszugeben, die Fähigkeit zur Kommunikation mit anderen Kulturen sichern. Dies unter dem Gesichtspunkt, daß alle Staaten Frieden und ihre Zukunft bauen wollen."

 

Diese theoretischen Maxime müssen aber natürlich mit praktischem Leben erfüllt werden. Und da, so glaube ich, haben wir gemeinsam schon einiges erreicht.

 

Ich glaube, man kann die deutsch-ungarische kulturelle Zusammenarbeit als sehr erfolgreich bezeichnen. Abgesehen von der routinemäßigen Arbeit der genannten Institutionen, wie Sprachunterricht, Stipendienvergabe, Lehrerfortbildung, Programmarbeit des Goethe-Instituts, Sprachunterricht, finden in einem reichhaltigen Programm-Angebot viele herausragende kulturelle Ereignisse statt. Da wäre das 1998er Budapester Internationale Buch-Festival zu nennen, wo das Goethe-Institut am Rande Theater-Workshops, zahlreiche Dichterlesungen und Veranstaltungen mit wichtigen zeitgenössischen ungarischen und deutschen Autoren organisiert hat. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung wählte mit ihren ca. 100 Mitgliedern für ihre Jahrestagung Budapest. Zu ihr gehören z.B. auch Gregor Tabori, Peter Esterhazy, Peter Nadas, Imre Kertesz und andere herausragende ungarische und natürlich deutsche Autoren wie Martin Walser (der soeben den Friedenspreis bei der Frankfurter Buchmesse erhielt), Durs Grünbein u.a. Die Tagung schloß mit einem großen Poetenfest im Goethe-Institut, das bis in die Morgenstunden dauerte.

 

Höhepunkte waren auch die vom Goethe-Institut gemeinsam mit dem ungarischen Literatur-Museum veranstalteten Lesungen und Ausstellungen zum 200. Geburtstag von Heinrich Heine. Ein Journalist der Süddeutschen Zeitung schrieb vor kurzem: "Das Goethe-Institut in Budapest vibriert förmlich vor Aktivität und ist mit dem kulturellen Leben der Stadt vielfach verflochten." (Es hat übrigens auch schon Theateraufführungen nach Szeged geschickt!) Denn eine gewisse Budapester Kopflastigkeit gibt es natürlich, was die Veranstaltungen anbetrifft. Im Bildungs- und Wissenschaftsbereich arbeiten wir bewußt dezentral.

Das vom Goethe-Institut ins Leben gerufene Café Eckermann auf der Andrassy út. ist inzwischen Geheimtip und Treffpunkt ungarischer Studenten, Philosophen, Soziologen und Autoren aus ganz Ungarn geworden. Zwei Dutzend Zeitungen stehen zur Verfügung und kostenlos ein Internet-Anschluß. Allerdings, wenn man im Internet surfen will, muß man sich vorher anmelden.

 

Sicher denkt Präsident Fischer jetzt: und so etwas bräuchten wir auch für die Wissenschaft. Sie haben recht!

 

Die Galerie des Goethe-Instituts hat sich mit Tagungen und Ausstellungen moderner Künstler in der Kultur- und Kunstlandschaft Ungarns einen festen Platz erobert. Das Institut pflegt Kontakte zur wissenschaftlichen, literarischen und künstlerischen Elite des Landes. Natürlich trägt es auch Rechnung der neuen gesellschaftlichen Entwicklungen zu einer "Gesellschaft der Bürger", einer Civil society und der Zukunft im europäischen Kontext.

 

Hier darf ich kurz aus Artikel 128 des Maastrichter Vertrags über Kultur zitieren: "Die Gemeinschaft leistet einen Beitrag zur Entfaltung der Kulturen der Mitgliedstaaten unter Wahrung ihrer nationalen und regionalen Vielfalt sowie gleichzeitiger Hervorhebung des gemeinsamen kulturellen Erbes". Das ist auch die Zukunft für Ungarn.

 

Interessante und über die Grenzen Budapests hinaus beachtete Kulturereignisse waren die "Budapester Woche" in Hamburg und die "Hamburger Woche" in Budapest, das Ungarn gewidmete Bodensee-Festival, das "Ungarnfestival" in Saarbrücken. Im Rahmen der Feiern zum Magyar Millennium im Jahre 2000 werden die Partnerstädte Berlin und Budapest Programme austauschen. Bei der Expo Hannover im Jahr 2000 wird Ungarn ein kulturelles Rahmenprogramm präsentieren ebenso wie bei der Frankfurter Buchmesse 1999, bei der Ungarn Themenschwerpunkt sein wird.

 

Zahlreiche Veranstaltungen sind mit den Bundesländern geplant: Mit Thüringen anläßlich der Ernennung von Weimar zur Kulturhauptstadt Europas, mit Sachsen in Debrecen in Verbindung mit den bürgerlichen Revolutionen 1948 in unseren beiden Ländern, mit Bayern - eine Ausstellung "Tausend Jahre Bayern - Ungarn" in München und Passau, in Budapest und Vesprem, der Stadt von Königin Gisela, der Gemahlin von König Stefan.

 

Sie sehen, eine Vielzahl von Aktivitäten auch unserer Bundesländer, der Städte und der Kommunen, von denen ich nur die wichtigsten nennen konnte.

 

Das Goethe-Institut bietet schwerpunktmäßig zahlreiche Sprachkurse und Lehrer-Aus- und -fortbildung im Rahmen der neuen ungarischen Verordnungen an. Abgeschlossen ist die Umschulung einer großen Anzahl von Russischlehrern zu Deutschlehrern. Es bietet Vorbereitungskurse für das Zertifikat "Deutsch als Fremdsprache" und das sog. kleine deutsche Sprachdiplom an sowie für die zentrale Oberstufenprüfung. Alle diese Sprachdiplome sind für die Aufnahme in eine deutsche Universität anerkannt. Aber auch Wirtschaftsdeutsch kann man mit einer Prüfung "Wirtschaftsdeutsch International" abschließen. Ein neu anvisiertes Programm wäre jetzt die EU-Fachsprache.

 

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Ausbildung von Multiplikatoren, d.h. ungarischen Fortbildern im Kultur- und Bildungsbereich.

 

Nicht vergessen darf ich natürlich die Deutsche Schule Budapest als deutsch-ungarische Begegnungsschule, wo 1999 die Schüler das 1. deutsche Abitur ablegen können. Das Abitur berechtigt zum Zugang an deutsche und ungarische Universitäten.

 

Vielleicht für Sie auch von Interesse ist, daß ein Fernstudiengang "Fremdsprachlicher Deutschunterricht in Theorie und Praxis" von der Fernuniversität Hagen eingerichtet wurde. Hier kann ich allgemein auf die wachsende Bedeutung eines Fernstudiums im bilateralen wie im europäischen Kontext hinweisen. Die elektronischen Medien bieten dafür ungeahnte Möglichkeiten. Die deutsche Fernuniversität Hagen unterhält hier in Ungarn bereits seit 8 Jahren eine gut funktionierende Zusammenarbeit mit dem ungarischen Fernstudienzentrum, die weiter ausgebaut werden soll. Z.Z. studieren dort 300 Studenten in deutscher Sprache verschiedene Fachgebiete, in denen auch eine Magister-Abschlußprüfung abgelegt werden kann. Es können Diplome in vielen Fachbereichen erworben werden. Es werden Studiengänge angeboten, die besonders für Berufe in deutschen oder Joint-Venture-Unternehmen von Interesse sein können.

 

Nach der politischen Wende hat das Auswärtige Amt ein Sonderprogramm zur Förderung der deutschen Sprache in den MOE- und GUS-Staaten aufgelegt, in dessen Rahmen zahlreiche Stipendien angeboten werden: Ca. 100 deutsche Gastlehrer sind an Mittelschulen, Fachhochschulen und Universitäten hier in Ungarn beratend tätig.

 

Auch in Ungarn tätig ist der Deutsche Volkshochschulverband mit zahlreichen Angeboten der Erwachsenenbildung.

 

Wichtige kulturpolitische Verbindungsarbeit leisten natürlich auch Ihre Kulturinstitute in Berlin und Stuttgart, wo Sie demnächst eine neue - sehr tüchtige Direktorin, Frau Szolnoki, haben werden, die ich gerade besucht habe und die in Zukunft auch wissenschaftliche Verbindungsarbeit mit der Landesregierung Baden-Württemberg leisten will. In Stuttgart ist auch die Donauschwäbische Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg vertreten, die Kultur- und Bildungsprogramme bisher vor allem für die ungarndeutsche Minderheit fördert. Die kulturelle und bildungspolitische Förderung der Ungarndeutschen, die selbstverständlich gleichzeitig auch allen Ungarn zugutekommen soll, ist ein weiterer Zweig unserer kulturellen Beziehungen zu Ungarn. Wir wollen damit eine Brücken-funktion stärken, die zu Völkerverständigung und Zusammenarbeit beiträgt. Die von Deutschland unterstützten größeren Institutionen für die Ungarndeutschen sind das Lenau-Haus in Pécs als Kulturzentrum, die Deutsche Bühne Ungarn in Szekszard, die gerade dabei ist, einige Turbulenzen zu überwinden, Nationalitätenschulen im ganzen Land und das sehr erfolgreiche ungarndeutsche Bildungszentrum Baja, das dabei ist, sich zu einer europäisch ausgerichteten Eliteschule natürlich auch für rein ungarischstämmige Kinder zu entwickeln. Daneben werden zahlreiche kulturelle Begegnungsstätten im ganzen Land, Altenheime und ein Netzwerk von lokalen Minderheiten-Selbstverwaltungen gefördert, die das in MOE beispielhafte ungarische Minderheitengesetz umsetzen und den Dialog mit den ungarischen Selbstverwaltungen führen.

 

Ihr zweites Kulturinstitut in Berlin hat eine wichtige kulturelle und geistig intellektuelle Funktion unter seinem Leiter György Dalos, der selbst ein Dichter und Schriftsteller ist. In Berlin befindet sich auch der Sitz des Künstlerprogramms des DAAD, wo viele ungarische Autoren und Künstler für 1 oder 2 Jahre frei schaffen können. Wie Sie sicher wissen, wurde der ungarische Schriftsteller György KONRAD als erster Nichtdeutscher Präsident der Brandenburger Kunstakademie.

 

Besonders im Bildungssektor ist die Zusammenarbeit mit den beiden anderen deutschsprachigen Ländern, dem österreichischen Kulturinstitut und dem Schweizer Kulturinstitut Pro Helvetia, aber auch mit dem französischen Kulturinstitut intensiv. Eine internationale Bibliothekarskonferenz fand im französischen Institut in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut statt unter Teilnahme der Direktoren der Nationalbibliotheken von Ungarn, Frankreich und Deutschland.

 

Sie sehen, unsere kulturelle Zusammenarbeit mit ihren vielfältigen Kontakten ist reich an den verschiedensten Facetten in Kultur und Bildung und ihr Wert für unsere Völkerfreundschaft auf dem Weg zu einer modernen nationalen und europäischen Identität kann gar nicht hoch genug veranschlagt werden.

 

Und nun zu Wissenschaft und Forschung:

 

Ich danke dem Humboldt-Verein - Sektion Szeged - für die Einladung, zu Ihnen zu sprechen. Ich möchte mich auf einen kurzen Überblick über unsere Beziehungen in Wissenschaft und Forschung beschränken, beschränken, weil ich bei Ihnen ja einen guten Teil detaillierter professioneller Kenntnisse vorausetzen kann.

 

Kurz zur Geschichte:

Nach der politischen Wende wurden 1993 und 1995 zwischen den beiden Regierungen die formellen Voraussetzungen für eine Kooperation geschaffen, die zunächst auf der Grundlage vereinbarter Projektlisten funktioniert hatte. Bis dahin gab es bereits zahlreiche fruchtbare Kontakte auf Arbeitsebene zwischen Universitäten und Instituten. Bereits 1987 unterzeichneten die Außenminister Genscher und Kovács (Stellv.) das "Regierungsab-kommen der Republik Ungarn und der Bundesrepublik Deutschland über wissenschaftliche Forschung und technologische Entwicklung", das sog. WTZ (Wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit) -Abkommen, das zur Schaffung einer "Gemischten Kommission für wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit" führte und die Zusammenarbeit besonders auch zwischen dem ungarischen Regierungsamt für Forschung und Technologische Entwicklung (OMFB) und dem deutschen Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) nach der Wende aktivierte und insgesamt intensivierte. Auf der "Grundlage von Gleichberechtigung, Gegenseitigkeit und gegenseitigem Nutzen" wurden folgende Ziele im WTZ-Abkommen definiert:

Organisation und Durchführung von wissenschaftlichen Veranstaltungen, Austausch von Delegationen und Experten, Gemeinsame Nutzung von wissenschaftlich-technologischen Einrichtungen, Durchführung von gemeinsamen Vorhaben auf dem Gebiet der Grundlagenforschung, der angewandten Forschung sowie der technologischen Entwicklung, Austausch von Informationen und Publikationen.

Das Abkommen wurde seitdem intensiv mit Leben erfüllt.

Die Kommission hat bisher siebenmal abwechselnd in Ungarn und D getagt und dafür gesorgt, daß die Zusammenarbeit sich lebendig, den Erfordernissen der Gesellschaft und dem veränderten politischen Umfeld entsprechend, weiterentwickelt.

Die Bilanz der WTZ-Kooperation, gezogen nach 10 Jahren auf dem aus diesem Anlaß 1997 in Bonn veranstalteten gemeinsamen Deutsch-Ungarischen-Wissenschaftsforum unter Beteiligung von Wirtschaftsvertretern, war äußerst positiv und motivierte zur Fortsetzung der Anstrengungen und weiteren Entwicklung unserer Forschungs- und Entwicklungs-(F&E)Zusammenarbeit. Im sog. Faktenbericht des BMBF für 1998 wird die Forschungs- und Entwicklungszusammenarbeit mit Ungarn (neben Polen) als besonders erfreulich und erfolgreich bewertet. Bei den Experten in Deutschland herrscht inzwischen die Überzeugung, daß an die Stelle des anfänglichen einseitigen Transfercharakters unserer Zusammenarbeit eine partnerschaftliche Beziehung zu gegenseitigem Nutzen getreten ist, sei es in der Wirtschaft wie in Wissenschaft und Bildung.

 

Es wurden zahlreiche (ca. 200) Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit einer durchschnittlichen Laufzeit von 3 Jahren durchgeführt, deren Themen sich nach gemeinsam definierten prioritären Bereichen richten. Diese sind: Materialwissenschaften, Energietechnik, Informationstechnik, Biotechnologie und Umweltforschung, physikalische und mathematische Grundlagenforschung, Agrartechnik, Pflanzen- und Tierproduktion, Lebensmitteltechnologie, Herz-Kreislauferkrankungen, nicht invasive Methoden der Diagnostik und Therapie bei Tumoren, HIV-Infektionen, sozialwissenschaftliche und ökonomische Untersuchungen. In diesem Jahr wird es ca. 100 laufende bilaterale Projekte geben. Zu den bereits existierenden kommen neue hinzu. Wie Sie sehen, erhielt nicht nur die Grundlagen-forschung, sondern auch die besonders für die wirtschaftliche Entwicklung kürzerfristig wichtige angewandte Forschung einen hohen Stellenwert. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf die erfolgreiche Errichtung der Bay-Zoltán-Stiftung unter Leitung von Prof. Pungor (die in diesen Tagen ihr 5jähriges Bestehen feiert) in Zusammenarbeit mit der Fraunhofer Stiftung mit ihren bisher drei Instituten für Materialforschung in Budapest, Biotechnologie in Szeged und für Logistik und Produktionssysteme in Miskolc.

 

Auch das 1994 neu gefaßte Abkommen über kulturelle Zusammenarbeit enthält für die Hochschul-Wissenschaft und -Forschung wichtige relevante Passagen auf dem Gebiet der akademischen Bildung; dazu zählen Projekte der Akademischen Austauschprogramme, Stipendien und gemeinsame Forschungsprojekte mit Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), des Deuschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), der Max-Planck-Gesellschaft, natürlich der Alexander-von-Humboldt-Stiftung (AvHSt), der Hochschulrektoren-Konferenz und anderen. Die Gesamtzahl ungarischer Alexander-von-Humboldt-Stipendiaten z.B. betrug bis heute rd. 400 Wissenschaftler. Sie wissen, daß besonders Ungarn sich viele der international renommierten AvH-Preise geholt hat. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft führt seit 1979 mit der ungarischen Akademie der Wissenschaften pro Jahr ca. 10 - 25 Kooperationsprojekte mit einem Wissenschaftler-austausch von 100 Wissenschaftlern durch. Sie fördert auch Hochschulbibliotheken durch Literaturspenden.

Intensive Zusammenarbeit findet mit deutschen Großforschungseinrichtungen wie der Kernforschungsanstalt Jülich statt, wobei sich in den letzten Jahren die Tendenz zu stärkerer Zusammenarbeit zwischen den Universitäten und Instituten abzeichnet. Für die zukünftige Zusammenarbeit relevant ist der Konsens unter den Verantwortlichen in Deutschland, die staatlich unterstützten deutschen Forschungszentren in wettbewerbliche Strukturen zu überführen und eine größere Eigenverantwortung durch flexiblere Haushaltsführung und Verbesserung der Qualität durch Wettbewerb zu erzielen. Für die Zusammenarbeit mit dem Ausland sind Großforschungseinrichtungen in einem "Ausschuß zur Koordinierung der Auslandsarbeit" zusammengeschlossen, die DFG ist nationales Mitglied in dem 23 Mitgliedsländer zählenden International Council of Scientific Unions, der DAAD, als gemeinsame Einrichtung der deutschen Universitäten zur Förderung des internationalen Austauschs von Studenten und Wissenschaftlern, hat Außenstellen in vielen Großstädten der Welt; und hoffentlich eines Tages auch in Budapest, obwohl im Augenblick der ungarische Stipendienausschuß MÖB im Bildungsministerium eine DAAD-Außenstelle effizient ersetzt und jährlich mehrere Hundert Stipendien unterschiedlicher Art und Dauer hervorragend verwaltet und koordiniert. Themen und Rahmen für die Wissenschaftleraustausch-Programme des BMBF, durchgeführt in Zusammenarbeit mit dem OMFB oder DAAD-MÖB, besonders für das im Jahre 1997 zum erstenmal aufgelegte projektgebundene Programm des BMBF werden jährlich zwischen den deutschen und ungarischen Vertretern neu evaluiert, verbessert und den sich ändernden Bedingungen angepaßt. Der DAAD fördert neben den Stipendien zahlreiche Hochschulpartnerschaften. Nach letzten Zahlen aus 1995 betrug die Zahl der vom DAAD geförderten Hochschulpartnerschaften 54. In ihrem Rahmen erhielten 288 ungarische Hochschuldozenten und 65 jüngere Wissenschaftler in Deutschland sowie 148 deutsche Hochschuldozenten und 87 jüngere Doktoranden und Wissenschaftler eine Förderung. Vom DAAD geförderte deutsche Studiengänge werden an der Budapester Technischen und an der Wirtschaftsuniversität angeboten und schließen jeweils ein Semester an der TU Karlsruhe bzw. Uni Passau ein.

 

Sowohl Humboldtstiftung wie auch DAAD fördern nach Rückkehr der postgraduierten Stipendiaten in vielen Fällen durch aufwendige Gerätespenden an ihre Universitätsinstitute die weitere Forschungstätigkeit in Ungarn.

 

Das Collegium Budapest, 1992 nach dem Muster des Berliner Wissenschaftskollegs in einem von Ungarn gestifteten historischen Gebäude auf dem Burgberg gegründet und von mehreren deutschen Bundesländern sowie europäischen Staaten, darunter Frankreich, Holland, Schweiz, unterstützt, gibt herausragenden Forschern die Möglichkeit, mit Hilfe eines 1 - 2jährigen Stipendiums im geistes- und naturwissenschaftlichen Bereich interdisziplinär, frei und ohne Ergebniszwang zu forschen. An Seminaren, Workshops und Vorträgen nehmen international herausragende Wissenschaftler teil. Die zuständigen fördernden Regierungen streben ab 1999 Aufnahme des Collegiums in den 5. EU-Rahmenplan als "Center of Excellence" und damit Übernahme der hohen Kosten durch die EU an.

 

Ein wichtiges Anliegen unserer Forschungs- und Entwicklungskooperation ist die Einbeziehung der Industrie. Die Bundesregierung unterstützt die Umgestaltung der ungarischen Forschungs- und Technologielandschaft im Rahmen ihres TRANSFORM-Programms zur Unterstützung der wirtschaftlichen Restrukturierung der mittelosteuro-päischen Länder (MOEL) und zur Vorbereitung auf den Wettbewerbsdruck in der EU mit dem Ziel des verstärkten Transfers von Forschungsergebnissen in die wirtschaftliche Anwendung. Im Zuge der Neuorientierung des deutschen TRANSFORM-Programmes sind in diesem Zusammenhang Beratungsprojekte zum Aufbau von Beteiligungskapital-Strukturen für die wichtigen technologieorientierten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die als Zulieferer an Großunternehmen fungieren können, aufgelegt worden.

Wie Sie wissen, hat Ihr Land vor kurzem ein Gesetz über Beteiligungs-Kapital verabschiedet. Ungarn entwickelt eine große Zahl von verwertungsrelevanten Forschungsergebnissen im Forschungs- und Entwicklungsbereich. So widmete sich mindestens ein Seminar- und Konsultationsprogramm diesem Thema. Es wurde von Experten des in diesem Bereich sehr erfahrenen Bundeslandes Sachsen angeboten und führte zu dem gemeinsamen Beschluß, mit dem ungarischen National Business and Innovation Centre (INNOSTART) ein gemeinsames EU-Projekt zum Thema technologieorientierte Unternehmensgründung für Seedfinanzierung zu beantragen.

 

Im Rahmen des TRANSFORM-Programms wurden mit deutscher Beratung in den vergangenen Jahren zwei sog. Gründerzentren gefördert, die eine geeignete Infrastruktur für junge Unternehmer anbieten. Das Gründerzentrum in Szeged, beherbergt zum Teil über die Grenzen von Ungarn hinaus erfolgreiche junge Unternehmen. Ein zweites derartiges Projekt in Dunaújváros befindet sich noch im Aufbau. Ein Beratungsprojekt für die ungarische Investitions- und Entwicklungsbank (MBFB) für die Abwicklung von Kreditprogrammen für KMU und Infrastrukturmaßnahmen der Kammern wurde gefördert. Im gesellschaftpolitischen Bereich waren besonders die deutschen politischen Stiftungen Träger zahlreicher Projekte. Sogenannte Verbundprojekte mit ungarischen Partnern, dem Fraunhofer- und dem Bay-Zoltán-Institut wurden gefördert. Die Projekte mußten ihre Anwendungsbezogenheit durch einen finanziellen Beitrag der ungarischen Industrie unter Beweis stellen.

Ein Verbundprojekt neueren Datums zwischen der Fraunhofer Gesellschaft und dem Bay-Zoltan-Institut für Materialforschung ist das Lazer-Demonstrationszentrum, das am 27.10.98 in Budapest feierlich eröffnet wurde.

 

Laut EU-Untersuchungen rangiert Ungarn mit seinen Forschungsleistungen weltweit unter den 20 Spitzenländern. Mit einem so hervorragenden Forscherpotential hat Ungarn natürlich größtes Interesse, Forschungs- und Entwicklungseinheiten der großen internationalen Unternehmen oder Joint-ventures, die hier ansässig sind, nach Ungarn zu ziehen. Dieses Anliegen trugen in der Vergangenheit Minister Fazakas ebenso wie OMFB-Präsident Nyiri gegenüber Minister Rüttgers bei dessen Besuch in Ungarn am 01.09.1997 vor. Minister Rüttgers unterstützte dieses Anliegen; Globalisierung und kurze Lebensdauer von Forschungsprodukten lasse Denken in nationalen Kategorien nicht mehr zu. Die Münchner Firma Knorr-Bremsen ist als eine der ersten deutschen Firmen diesem Ruf gefolgt und investierte zwischen 800 - 900 Mio Forint in eine Forschungs- und Entwicklungs-Einheit bei einer Beteiligung des OMFB von 200 Mio Ft.

 

Weitere wirtschaftlich relevante Projekte der deutsch-ungarischen WTZ-Zusammenarbeit liegen auf dem Gebiet des Technology Assessment oder des Technology Foresight. Die Technologiepotentiale verschiedener Sektoren der Industrie wurden untersucht und die Bewertungsmethoden auch anderen MOEL zugänglich gemacht. Seit Mai 1997 gibt es in Budapest im Rahmen des Programms Forschungskooperation für KMU ein Verbindungs-büro der Arbeitsgemeinschaft Industrieller Forschungsvereinigungen AIF, das sich besonders um innovative KMU kümmert.

 

Bei unseren bilateralen F&E-Beziehungen muß auch die intensive Förderung der einzelnen deutschen Bundesländer erwähnt werden. Baden-Württemberg und Bayern haben mit Ungarn Abkommen geschlossen und legen ihre Zusammenarbeit in Gemischten Kommissionen fest.

 

Im Rahmen der EU haben wir im EUREKA-Programm gemeinsam 11 Projekte durchgeführt und sind Partner in anderen Programmen. Wünschenswert für die Zukunft wären auch Partnerschaften in den PHARE-Twinning-Projekten, sobald "Forschung und Technologie" in das Programm aufgenommen wird. Unterstützung erfährt Ungarn von deutscher Seite bei seinem Antrag auf Aufnahme in den 5. EU-Rahmenplan.

 

Ungarn hat dankenswerterweise die deutsche Bewerbung von Prof Wagner (Direktor beim deutschen Teilchenbeschleuniger-Projekt DESY) für die CERN-Präsidentschaft bis in die letzte Runde unterstützt. Das Rennen gemacht hat dann der bisherige italienische CERN-Ratsvorsitzende.

 

Der bereits erwähnte Besuch von Minister Rüttgers am 01. und 02. September 1997 war ein Höhepunkt unserer Wissenschaftsbeziehungen der letzten Zeit. Die gemeinsame und uns verbindende Herausforderung einer modernen Wissensgesellschaft, der wirtschaft-lichen und generellen Globalisierung, wie Minister Rüttgers sie zeichnete, wird auch eine Aufgabe sein, der sich unsere neuen Regierungen werden stellen müssen. Auch in Deutschland müssen neue Ansätze und Wege einer wettbewerbsorientierten Forschung und deren wirtschaftliche Nutzung gefunden werden.

 

Ein Wort noch zu der Äquivalenzfrage. Das deutsch-ungarische Äquivalenzabkommen vom 24.03.1990 besagt, daß Grade der ungarischen Universitäten in Deutschland geführt werden können bis auf diejenigen, die mit deutschen Berufsbezeichnungen identisch sind. Diese stehen unter dem Vorbehalt besonderer berufsrechtlicher Genehmigungs- und Anzeigeerfordernisse. Hier wird es im Rahmen der EU-Harmonisierung sicher auch durch Angleichung der Curricula noch Entwicklungen geben.

 

Im Jahre 1997 gab der deutsche Staat 31,5 Mrd. DM für Wissenschaft und Forschung aus und liegt damit unter den G-7-Staaten an 4. Stelle. Der Betrag war für 1998 unverändert. Förderbereiche waren Gentechnologie, Gesundheitsforschung, Umwelt- und Klimaforschung, Informationstechnik, Weltraumforschung und Energieforschung. Ob es hierbei in Zukunft Akzentverschiebungen gibt, kann man noch nicht sagen. Sie wissen, die neuen Koalitionsparteien SPD und Grüne sprechen vom graduellen Ausstieg aus der Kernenergie, Anhebung der Benzinpreise, einer Ökosteuer. Demnach könnte der Umwelt- und Energieforschungsbereich in Zukunft stärker auch bei unserer F&E-Kooperation in den Vordergrund treten. Grundsätzlich ist jedoch nicht zu erwarten, daß es gravierende Veränderungen in den Forschungs- und Wissenschaftsbeziehungen unserer beiden Länder geben wird. Dazu sind die Mechanismen, Strukturen und Parameter viel zu stabil, in vielen Jahren gewachsen und bewährt. Unsere Zusammenarbeit in F&E wird sich weiterent-wickeln, im EU-Bereich und zur Vorbereitung auf den Beitritt Ungarns in den kommenden Jahren sicherlich noch intensivieren. Die Kontinuität unserer Europa-Politik wurde von der neuen Regierung mehrfach bestätigt. Deutschland wird Ungarn sicher auch weiterhin bei seinen Bemühungen um Mitwirkung in europäischen Forschungs- und Förderprogrammen unterstützen.

 

 

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19. 10. 1998.