Humboldt Nachrichten

Nr. 11.       Juni 1997

Berichte des Humboldt-Vereins Ungarns


Am 22. März 1997 hat die Generalversammlung des Humboldt-Vereins Ungarn im Goethe-Institut Budapest eine neue Geschäftsführung für drei Jahre (1997-2000) gewählt. Der neue Sitz des Humboldt-Vereins Ungarn ist Szeged (s. Adresse des neuen Sekretärs). Das Statut des Humboldt-Vereins Ungarn sowie die Gründungsurkunde der Stiftung Ungarischer Humboldt-Stipendiaten wurden modifiziert. Zur Genehmigung wurden diese Veränderungen beim Hauptstädtischen Gericht eingereicht. Der neue Vereinssekretär übernimmt auch die Vertretung der Stiftung der Ungarischen Humboldt-Stipendiaten. Das Kuratorium der Stiftung bleibt aber unverändert.

DIE NACHRICHTEN DES VEREINS IM INTERNET

Die E-mail Adresse des Vereins: MHE@inf.u-szeged.hu (Wir bitten unsere über E-mail verfügenden Mitglieder, sich an dieser Adresse zu melden.)
Die Home-page des Vereins ist unter der folgenden Adresse erreichbar: http://www.humboldt.hu/

MITTEILUNG DER STIFTUNG UNGARISCHER HUMBOLDT- STIPENDIATEN

Das Kuratorium hielt am 21. November 1996 seine Sitzung im Gebäude des Chemischen Forschungsinstituts der Ungarischen Akademie der Wissenschaften ab.

Zur Unterstützung der internationalen Verbindungen des Humboldt-Vereins Ungarn erscheint mit dem Titel HUMBOLDT NACHRICHTEN ein Mitteilungsblatt in deutscher Sprache, das zweimal jährlich herausgegeben wird, sofern es die finanzielle Situation der Stiftung ermöglicht.

Auf diesem Wege möchten wir den unten genannten Personen danken, die die Stiftung im vergangenen Jahr uneigennützig unterstützt haben:

ALTORJAY István (Szeged) ANTUS Sándor ÁGEL Vilmos
BÍBOK György CSEH Imre DUX László
ECKHARDT Sándor ERDÉLYI Ágnes FARKAS Beatrix
FERENCZ Antal FISCHER Emil GÁLFI Péter
GERÕ László GYÖRGYDEÁK Zoltán HAJÓS György
JAKOBOVITS Antal KIRICSI Imre KISS János
KORINEK László KUBA Attila MANCZINGER József
MARKÓ László MIHÁLY Ottó MOLNÁR Pál
MORAVÁNSZKY Ákos NÉNYEI Zsolt PAP Gyula
PÁL Attila PÁVICS László POKOL Béla
POPPE László SAILER Kornél SAMU János
SÁGVÁRI Ágnes SIMONCSICS Pál SÓTONYI Péter
SZABÓ Máté SZIKINGER István SZILÁGYI András
SZÛCS Attila TEKULICS Péter TÖMÖSKÖZI István
TRIXLER Mátyás TROJÁN Imre VARGA Károly (Szeged)
VARGA Péter (Pécs) VARGYAS Péter


2. HUMBOLDT-CLUB-TREFFEN (Bad Honnef bei Bonn,17.-20. Februar 1997)

Nach fünf Jahren rief die Alexander von Humboldt-Stiftung die Humboldt-Vereine der Welt erneut zu einem Treffen zusammen. An der Veranstaltung nahmen 80 Humboldtianer teil; der ungarische Verein wurde durch Ákos Detrekõi und János Fischer vertreten.
       Manfred Osten, Generalsekretär der Stiftung betonte die Bedeutung der Vereinigungen. Er unterstrich besonders die Bedeutung, die den Organisationen im Humboldt-Jahr 1999 zukommen wird. Die Stiftung plant, die Klubs weltweit zu unterstützen; eine Entscheidung darüber wird im Mai getroffen. George Leitmann der Präsident der amerikanischen Humboldt-Gesellschaft, und Haruo Nishihara (Tokio) wiesen auf die Wichtigkeitdes Informationsnetzes hin.Waldemar Pfeiffer, der Präsident der polnischen Humboldt-Gesellschaft, stellte reichhaltige Programmpläne vor.
      Jeder Referent sprach mit Anerkennung über die I. Ungarische Humboldt-Konferenz. Das 3. Mitteilungsblatt der amerikanischen Humboldt-Gesellschaft berichtete auch ausführlich darüber.
      Sodann besprachen die Humboldt-Vereinigungen in drei Gruppen (Europa, Amerika und die anderen) ihre gemeinsamen Probleme und Pläne.
      Der erste Konferenztag ging mit einer schönen Feier zu Ende. Die Teilnehmer feierten ein doppeltes Jubiläum von Heinrich Pfeiffer. Präsident Reimar Lüst würdigte mit warmen Worten den ehemaligen Generalsekretär, der vor kurzem seinen 70. Geburtstag feierte und 40 Jahre lang Herz und Seele der Stiftung war.
       Am zweiten Konferenztag analysierte Wolfgang Frühwald, der Vorsitzende der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die Globalisierung des wissenschaftlichen Lebens. Hans-Friedrich von Ploetz, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, führte das Programm der Alexander von Humboldt-Stiftung als wichtigen Teil der deutschen Kulturpolitik an.
      Dem schloß sich die Auswertung der Gruppengespräche an. Jeder Teilnehmer wertete es als bedeutsam, daß die Informationen der Stiftung im Internet erreichbar sind, sogar die Nachrichten einiger Klubs (www.avh.de). Auf Vorschlag von Professor Klamaris aus Griechenland wurde gleich an Ort und Stelle eine Geldsammlung zugunsten der Berberich-Stiftung veranstaltet. Dies war ein schöner Gedanke.
       Die Klubs aus Süd-Amerika bereiten sich auf das Jahr 1999 vor, denn dann jährt sich zum 200. Mal, daß Alexander von Humboldt seine Forschungen auf diesem Kontinent begonnen hat. Der chilenische Klub plant für den April 1999 ein Treffen von allen Vorsitzenden der Humboldt-Vereinigungen.
       Die Teilnehmer der Konferenz besuchten das die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland vorstellende Museum "Haus der Geschichte", und nahmen dann in einem stimmungsvollen Weinkeller in Königswinter Abschied voneinander und von den Mitarbeitern der Stiftung.
       Wir bedanken uns bei der Alexander von Humboldt-Stiftung für diese inhaltsreiche Veranstaltung und für die gute Organisation.

                                                                                                                                                        J.F.


MITGESTALTEN STATT NACHVOLLZIEHEN - EIN HISTORIKER ALS BOTSCHAFTER IN PRETORIA

András Gergely

Wie viele Historiker der politischen Geschichte forschte auch ich in den Meldungen von Diplomaten in den Archiven der ehemaligen Ministerien in Budapest, Wien, Frankfurt und in Den Haag. (Ich interessierte mich vor allem für den Vormärz.) Über die Entstehung dieser Quellen hatte ich zwar Vorstellungen, das Netzwerk der diplomatischen Betriebe blieb mir verborgen.

1990 war es dann soweit. Das ancien régime war zusammengebrochen, die neue Politik und Verwaltung Ungarns brauchte neue Kader. Da ich einer der Gründer einer neuen, sich bei den Wahlen von 1990 als siegreich erwiesenden Partei war, erreichte mich der Ruf, aktiv an dieser Umgestaltung teilzunehmen. Ein sich mit dem XIX. Jahrhundert beschäftigender Historiker, József Antall, wurde Ministerpräsident; mein Doktorvater, György Szabad, wurde Parlamentspräsident; mein Freund und Kollege als Historiker, Géza Jeszenszky, wurde Außenminister. Mitgefangen -mitgehangen, ich machte mit.

So wurde ich 1991 Generalsekretär des Außenministeriums. In dieser Funktion war ich eigentlich Mädchen für alles, d.h., ich war Stellvertreter des Staatssekretärs und trug für alles Sorge, was für den Betrieb des Ministeriums notwendig war, inklusive der Mitgestaltung der Außenpolitik des Landes. Sowohl mich selbst, wie auch meine Kollegen überraschte es, daß ich mich doch recht schnell eingearbeitet hatte. Dabei haben mir allerdings meine Kenntnisse über den Vormärz, also über die Metternich-Ära, viel geholfen.

Im Wiener Ministerium von Metternich gab es drei Registraturen eines einheitlichen Eintragungssystems: administrative,politische, reservierte Akten. Und in Budapest, anno 1990? Administrative, geheime, streng geheime Akten - also nur (teilweise) verändert! Das System ist geblieben! Immerhin, meine Arbeit war recht interessant. Ich konnte zum Beispeil feststellen, wie wenig in den Akten davon erscheint, was im Entscheidungsprozess eigentlich vor sich geht. Um wieviel reicher ist die Wirklichkeit, gemessen an dem, was in den Akten seinen Niederschlag findet! Nun ist Ungarn bekanntlicherweise keine Großmacht, so konnte ich (auch) im Ministerium eher nur ein Beobachter, ein Registrator, sein, was sich nicht allzuviel von der Rolle des späteren Nachvollziehers, des Historikers, unterscheidet.

Dann kam das Jahr 1992. Man suchte jemanden für den neuen Botschaftsposten in Pretoria, Südafrika, nachdem die diplomatischen Beziehungen erst kurz zuvor hergestellt worden waren. Für diese spezielle Funktion sollte kein Karrierediplomat benutzt werden, sondern wenn möglich jemand, der auch der afrikanischen Sprache mächtig war. Ich konnte zwar nur ein bißchen holländisch, aber man beruhigte mich: dann kannst Du doch in drei Wochen auch afrikanisch lernen....

So bin ich also mit meiner Familie und mit meinem Beglaubigungschreiben nach Südafrika geflogen. Das politische Leben des fernen Landes war äußerst interessant, auch dort befand sich alles in einem grundlegenden Umgestaltungsprozess. Ich habe mein Akkreditiv höchst formell, in morning coat (deutsch: "Stresemann") dem Präsidenten der Apartheid-Republik de Klerk überreicht (die Rede teils in afrikanisch, hatte ich gut einstudiert) Chissano, Präsident von Mozambique und András Gergely und habe vom charismatischen "Madiba", dem Präsidenten Mandela, Abschied genommen.

In dieser Zeit, also in den Jahren zwischen 1992 und 1995, machte die Republik Südafrika ihren Sprung in die Freiheit. Dieser Prozess ging - zumindest theoretisch - friedlich, auf dem Wege von Verhandlungen vor sich. Die sogenannte CODESA, die Konferenz für ein demokratisches Südafrika, war die Institution, in der die weiße Regierung und schwarzen Wiederstandskämpfer über die Machtübergabe verhandelten. Es geschah so ähnlich, wie in Ungarn oder in Polen. Sowohl in Europa, wie auch in Afrika fanden diese Verhandlungen hinter geschlossenen Türen statt, in Afrika war es Diplomaten allerdings erlaubt, daran teilzunehmen. So konnte ich meine in Ungarn gesammelten Erfahrungen - ich war aktiv an den sogenannten "nationalen Rundtischgesprächen" beteiligt - recht gut nützen und beiden Seiten Ratschläge erteilen: wie soll man mit den Geheimdiensten umgehen, wie muß ein Verfassungsgericht geschaffen werden, wie kann man Minderheitsproblematiken (die Zukunft der Weißen!) lösen, usw. Ich hatte also das Glück, das Schicksal des Landes ein wenig mitgestalten zu dürfen, und habe - an die zukünftigen Historiker denkend - ausführliche Berichte darüber geschrieben.

Chissano, Prasident von Mozambique und András Gergely

Meine Tätigkeit in Südafrika war äußerst interessant. Das Land hatte eigentlich zwei Hauptstädte: die Regierung in Pretoria, das Parlament allerdings war in Kapstadt; so war ich - wie alle meiner Kollegen - ein Pendler auf 1500 km. Dazu kam noch, daß ich mein Land auch in Mozambique und in Swaziland vertrat, was weitere, vor allem exotische, Erfahrungen bedeutete. Mozambique ist das ärmste Land der Welt, während es sich bei Swaziland um ein Operettenkönigreich handelt, wo ich mich jedoch dank meiner Kenntnisse über die Werke von Lehár und Kálmán sehr gut zurechtfand. Südafrika selbst ist ein entwickeltes, den USA ähnliches Land mit subtropischem Klima.

Im Jahre 1994 hat in Ungarn wieder eine kleine Wende stattgefunden: die Sozialistische Partei hat die Wahlen gewonnen. So bin ich 1995 nach Ungarn und an die Universität zurückgekehrt, wo ich wieder mit meinem Doktorvater aus dem Parlament zusammentreffe.
(A.G. war 1986/87 Humboldt-Stipendiat in München.)


KURZE NACHRICHTEN

Hasso Buchrucker (62) ist ab 7. Februar 1997 der neue Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Ungarn. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften in München war er während seiner diplomatischen Laufbahn am Genaralkonsulat in New York, bei der Vertretung der Vereinigten Nationen, an der Botschaft in Tel Aviv und als Botschafter in Mozambique tätig. Er war Leiter und stellv. Chef der außenpo-litischen Abteilung im Bundespräsidial-amt, Bonn. (Adresse: H-1143 Budapest, Stefánia út 101-3. Tel:(361)-467-3500, Fax: (361)-467-3505).

Prof. Gyula Schneider (65), Leiter des Instituts für Organische Chemie an der Universität "József Attila" in Szeged wurde am 9. Dezember 1996 mit dem Zemplén-Preis ausgezeichnet. Er ist vor allem auf dem Gebiet der Steroide tätig und war Humboldt-Stipendiat in Göttingen (1990). (Adresse: H-6720 Szeged, Dóm tér 8., Tel: (36)-(62)-454-276, Fax: (36)-(62)-312-921).

Seit Ende 1996 ist die Herder-Stiftung für die Deutsch-Ungarische Philosophie und Wissenschaft in Ungarn aktiv. Die Stiftung möchte vor allem die ungarisch-deutschen Beziehungen auf dem Gebiet der Philosophie und der Wissenschaften fördern. Die Stiftung veranstaltete vom 24.-27. April 1997 eine internationale Konferenz in Budapest unter dem Motto "Zeit und Freiheit. Schelling, Schopenhauer, Kirkegaard, Heidegger". Weitere informationen können vom Präsidenten des Kuratoriums, Prof. István M. Fehér erhalten werden. Er ist Leiter des Instituts für Philosophiegeschichte der Universität "Eötvös Loránd" in Budapest (H-1052 Budapest, Piarista köz 1. Tel: (361)-266-4289,Fax:(361)-266-5699)

Dr. jur. Dr. h.c. Thomas Berberich (62) ist am 17. Dezember 1996 in Berlin verstorben. Er gehörte seit 1963 als Abteilungsleiter und vom 1966 bis 1993 als Stellvertretender Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung an. Mit seinem großen persönlichen Engagement und seiner fachlichen Kompetenz hat er über Jahrzehnte hinweg das Ansehen der Stiftung im In- und Ausland entscheidend mitgeprägt. 1993 hat er an der Generalversammlung des Humboldt-Vereins Ungarn in Budapest teilgenommen (s. Vereinsgeschichte, 1996). Die ungarischen Humboldtianer gedenken seiner in Dankbarkeit.

Prof. Ákos Detrekõi (57), Leiter des Instituts für Photogrammetrie an der Technischen Universität Budapest, Präsident des Humboldt-Vereins Ungarn (1994-1997) ist zum Rektor der Technischen Universität Budapest auf vier Jahre gewählt worden.

Der Humboldt-Club Szeged hatte am 5. Mai 1997 sein erstes Treffen veranstaltet. An der Veranstaltung haben fast alle Humboldtianer aus Szeged teilgenommen. Prof. Dr. Jenõ Ormos (Humboldt-Stipendiat 1961 in Düsseldorf) berichtete über seine Erlebnisse. Das nächste Treffen ist im September geplant.


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16. Januar 1998.