Humboldt Nachrichten
Nr. 12. Januar 1998
Berichte des Humboldt-Vereins Ungarns
INFORMATIONEN FÜR DIE MITGLIEDER DES HUMBOLDT-VEREINS UNGARN
Mit seiner Entscheidung vom 18. September 1997 bestätigte das Hauptstädtische Gericht den Lehrstuhl für Angewandte Informatik der Universität "József Attila" in Szeged (6720 Szeged, Árpáéd tér 2.) als neuen Sitz der Vereinigung. Die Administration des Vereins wird im weiteren von seinem Sekretär übernommen, die Vertretung des Vereins wird durch seinen Vorsitzenden versehen.
Die Zahl der Mitglieder beträgt gegenwärtig 301. In der vergangenen Zeit konnten wir über zahlreiche Ereignisse berichten. Es ist erfreulich, daß sich die Zahl unserer Humboldt-Preisträger auf acht erhöht hat. Die Erfolge der Gesellschaft sind auch daraus ersichtlich, daß acht Mitglieder zum Universitätsprofessor berufen werden und über 60 das Széchenyi Professoren-Stipendium erhielten.
Das Leben unserer Organisation wurde am 6. Mai durch die Gründung des Szegeder Humboldt-Klubs bereichert, in dem Prof. Dr. Jenõ Ormos einen Vortrag hielt. Am 8. September sprach Prof. Dr. László Csernay über "Bayreuth 1965-1997" unter Einbeziehung der Mittel der Multimedia. Die Zuhörer wurden sehr detailliert mit dem Lebensweg Richard Wagners bekanntgemacht, und erfuhren sehr viel über die Geschichte der Wagner- Festspiele. Für die dritte Veranstaltung des Klubs in Szeged stellte der Besuch des neuen, in Ungarn akkreditierten Botschafters der Bundesrepublik Deutschland, Herrn Hasso Buchrucker, in der Theißmetropole den auslösenden Anlaß dar.
Der Humboldt-Verein Ungarn pflegt auch die internationalen Beziehungen. In diesem Jahr waren wir auf drei Humboldt-Veranstaltungen vertreten: in Krakow, in Brasov und in Zagreb.
Es ist uns eine Freude, in dieser Ausgabe die Firmen EGIS, MERCK, NOVARTIS und RICHTER vorstellen zu können, die die Aktivitäten des Vereins seit Anbeginn unterstützen.
An dieser Stelle möchten wir unsere Mitglieder erneut informieren, daß die dreisprachige (ungarisch, deutsch, englisch) Homepage des Vereins im Internet unter der folgenden Adresse zu finden ist:
http://www.humboldt.hu/
Hier findet man das Statut des Vereins, Informationen über seine Struktur, aktuelle Nachrichten auch über die Veranstaltungen von ausländischen Humboldt-Vereinen. Auch die Homepage der Bonner Stiftung ist hier erreichbar sowie in voller Länge die Nr. 11. der Humboldt Nachrichten. In der Zukunft planen wir, die wegen eventuellen Aufstauens von Artikeln nicht in der Zeitschrift erschienenen Texte auch hier zu veröffentlichen. Die Homepage wird durch zahlreiche Farbfotos noch interessanter. Liebe Leserinnen und liebe Leser, bitte nehmen Sie sich die Zeit, in unseren Mitteilungen zu blättern; und schicken Sie Ihre Briefe an die folgende Adresse:
mhe@inf.u-szeged.hu
Es ist uns ein Bedürfnis, all jenen zu danken, die 1 % ihrer Einkommenssteuer auf das Konto des Vereins überwiesen haben. Auch in Zukunft nehmen wir derartige Unterstützungen dankend entgegen. Diesbezüglich und auch hinsichtlich der Zahlung der Mitgliedsbeiträge für das Jahr 1998 werden wir uns mit einem Rundschreiben an die Mitgliedschaft wenden.
Angenehme Weihnachtsfeiertage und ein glückliches Jahr 1998 wünschen:
Attila Kuba
János Fischer
Sekretär Präsident
BRIEF DES NEUEN BOTSCHAFTERS
Hasso Buchrucker
Mit Freude las ich in der Juni-Ausgabe dieses Jahres die Ausführungen des Herrn András Gergely über seine Erfahrungen als Historiker und ungarischer Botschafter in Pretoria und Maputo und folge daher der Bitte der Herausgeber, für die Humboldt Nachrichten einige meiner Erfahrungen aufzuschreiben:
Mit Herrn Gergely verbinden mich drei Gemeinsamkeiten und drei Unterschiede. Um mit den letzteren anzufangen: ich war nie Wissenschaftler; im Gegenteil: für das Akademische habe ich kein Talent. Vielleicht dauerte auch deswegen meine Ausbildung zu Juristen besonders lange: drei Jahre in Oxford und acht Jahre in München. Ich war nie Humboldt-Stipendiat. Das folgt schon aus Obigem. Und ich war nie Politiker, sondern immer nur - mehr oder weniger gehorsamer - Vollzieher der politischen Entschlüsse anderer.
Nun zu den drei Erfahrungen, bei denen ich mich mit András Gergely verbunden fühle. Ich war ebenfalls in Mosambik akkreditierter Botschafter. Ich vertrat (und vertrete immer noch) ein Land imitten Europas, das bekanntlich keine Großmacht darstellt. Und drittens fühle ich mich ebenfalls sehr zur Geschichte hingezogen - ein Hobby-Historiker, wenn man so will, in den Fußstapfen meines Vaters.
Das wurde dann für die Wahl meines Berufes ausschlaggebend. Einen kleinen Moment lang hatte ich gezögert: Als ich nach gerade noch bestandenem Master of Arts Examen der Universität Oxford von einer britischen Bank (die offensichtlich keinen Wert auf gute Examensnoten legte) das Angebot erhielt, ihre Vertretung in Frankfurt am Main zum ersten Mal nach dem Kriege zu eröffen und aufzubauen. Hätte ich es nur getan - dann könnte ich heute mit einer großzügiger Spende meiner Bank der Alexander von Humboldt Vereinigung Ungarns zum angestrebten Wissenschaftszentrum verhelfen. Aber in jugendlichen Jahren hat der Materialismus die Menschen noch nicht so im Griff und ich beschloß mich beim deutschen diplomatischen Dienst zu bewerben, der mich auch aufnahm, sehr zum Erstaunen meiner Freunde.
Warum diese Entscheidung? Ich sagte es schon: Der politische Einsatz meines Vaters in den Zwischenkriegsjahren, die sehr historisch interessierte Atmosphäre meines Elternhauses und das unsägliche Leiden, das die beiden Weltkriege über Europa - auch und gerade über das deutsche Volk - gebracht hatten, bestärkten mich beim Versuch mitzuarbeiten, die während der letzten fünf Jahrhunderte leidensvolle geographische Mittellage Deutschlands zum Nutzen der Deutschen und aller Europäer zu wenden. Vor rund fünf Jahrhunderten begann das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, kurz nach seiner höchsten Entfaltung, unter der Zerreißproben von innen und den Bedrohungen von außen zu zerbröckeln. Die Türkei, in Allianz mit dem "allerchristlichen König", bestürmte Deutschland von mehreren Seiten. Und im Inneren zerbrach die Glaubenseinheit.
Dabei will ich keinen Zweifel an meiner Einschätzung des christlichen Glaubens aufkommen lassen: Martin Luther sehe ich als bedeutendsten Deutschen in der Geschichte. Einmal abgesehen von der leidvollen Glaubensspaltung (die nicht sein Ziel war) und ihren Folgen, frage ich: wäre die Aufklärung ohne Luther denkbar gewesen ? Als die Küstenstaaten Europas aufbrachen in neu entdeckte Weltteile, brach Deutschland auf in eine neu entdeckte geistige Welt. Allerdings unter großen Kosten für seine Bewohner.
Denn die nationale Stärkung, die andernorts dem Prozess der internen Auseinandersetzung um Öffnung und Neuanfang folgt, blieb Deutschland versagt. Der 30jährige Krieg - ein Bürgerkrieg, in dessen Verlauf zwei Drittel der deutschen Bevölkerung ihr Leben verloren - konnte nicht zu Einigung und Kräftekonzentration führen, weil nahezu alle Nachbarn sich in diesen entscheidenden deutschen Bürgerkrieg einmischten - ein sicherer Weg zur Verlängerung und Destabilisierung, wie uns die Geschichte immer wieder erneut lehrt.
Anders heute. Die Vereinigung Deutschlands 1990 fand statt unter Zustimmung - teilweise aktiver Förderung - durch alle deutschen Nachbarn und Verbündete. Das ist ein Novum in unserer Geschichte. Das miterlebt zu haben und sich der Hoffnung hingeben zu dürfen, daran auch ein klein wenig mitgearbeitet zu haben, genügt mir als Bestätigung dafür, daß ich vor 40 Jahren doch die richtige berufliche Entscheidung traf. Vielleicht ist das eine Botschaft für das heraufdämmernde 21. Jahrhundert: Den Staaten in der Mitte Europas, die so lange die abträglichen Folgen ihrer Geographie bitter auszukosten hatten, bietet sich jetzt zum ersten Mal seit langer Zeit die Gelegenheit, ihre Mittellage für Zusammenarbeit, Austausch und Vermittlung zu nutzen und damit ihrerseits die Einigung Europas zu fördern. Sicherlich erwarten das die Freunde Deutschlands und Ungarns von beiden diesen Staaten. Als deutscher Botschafter in Ungarn an diesem Konzept mitarbeiten zu dürfen, das gibt mir große Befriedigung.
Die Alexander von Humboldt-Stiftung hat von Anfang an diese Aufgabe der Zusammenarbeit und Vermittlung ernst genommen, und die Humboldt-Vereinigung in Ungarn beweist mit ihrem jugendlichen Elan, daß sie die Zeichen der Zeit vesteht, aufnimmt und fördert. In diesem europäischen Sinne wünsche ich der ungarischen Vereinigung viel Erfolg.
II. INTERNATIONALE KONFERENZ
DER POLNISCHEN HUMBOLDT-GESELLSCHAFT
(KRAKOW, 23.-25. MAI 1997)
Die Konferenz fand im altehrwürdigen Gebäude Collegium Maius der 1367 gegründeten Jagello-Universität statt. An der Veranstaltung zum Thema "Systemwandel und die polnische Wissenschaft im europäischen Kontext" nahmen ungefähr 60 Personen teil. Am ersten Tag der Konferenz wurde Herrn Professor Reimar Lüst, dem Vorsitzenden der deutschen Stiftung, eine polnische staatliche Auszeichnung, das Offizierkreuz des Verdienstordens der Republik Polen, verliehen. Die am zweiten Tag gehaltenen Vorträge beschäftigten sich teilweise mit den Problemen, die im Osten Deutschlands durch die Wende aufgetreten sind; desweiteren wurde über die Systemwechsel in Polen und Ungarn berichtet. Herr Antony Kuklinski (Warschau) beschrieb die mittel-ost-europäischen Staaten in seinem Vortrag als "neuen Innovationsgürtel". Benõ Csapó (Szeged) wies auf die unliebsamen Tendenzen hin, die durch den "brain-push", das Abwandern der Intelligenz ins Ausland, hervorgerufen wurden, und zeigte Bestrebungen auf, die diese Erscheinung unterbinden sollen. Am Abend hörten die Teilnehmer in der Wawel Mozarts Klarinettenquintett, an dessen Vortrag auch Herr Manfred Osten und Frau Ute Osten beteiligt waren. Der dritte Konferenztag schloß mit einer Stadtbesichtigung und einem Besuch der Salzbergwerke von Wieliczka. Das historische Krakow wurde bereits von Goethe (1790) und auch von Alexander von Humboldt (1792) besucht, der heutige Turist erlebt die Stadt als einen Ort mit großer Anziehungskraft und sprudelndem Leben. Die ausgezeichnete Organisation von Herrn Waldemar Pfeiffer bewirkte, daß alle Teilnehmer mit reichen Erlebnissen heimkehren konnten. J.F.
DER WEG EINES HUMBOLDT-STIPENDIATEN VON DER KLEINEN
ZUR GROSSEN ÖKUMENE
Aladár Gajáry
Als einer der ersten von der Alexander von Humboldt-Stiftung geförderten katholischen Theologen durfte ich mich vor knapp vier Jahrzehnten an den Universitäten Mainz und München der ökumenischen Forschungsarbeit widmen. Ich konnte dabei noch nicht ahnen, daß mein damals gewähltes Arbeitsgebiet sich auf eine früher kaum vorstellbare Weise ausweiten würde.
Mein Interesse galt in jenen Jahren der Luther-Forschung, einem wichtigen Themenkreis im Dialog der christlichen Konfessionen. Im Dialog sah man schon damals eine unerläßliche Form der Verwirklichung der ökumenischen Bewegung, d.h. aller Bestrebungen innerhalb der verschiedenen Kirchen und Konfessionen, die die Einheit der Christen zum Ausdruck bringen sollte.
Den meisten christlichen Dialogpartnern war noch nicht bewußt, daß der innerchristlich-interkonfessionelle Dialog für die gespaltene, durch Christus jedoch eine Christenheit zwar unverzichtbar ist und auch eine gewisse Priorität besitzt, vom Herzstück der christlichen Heilsbotschaft her sich aber als ungenügend erweist.
Schon der Wortsinn - aus griechisch oikouméne (gé): "die bewohnte (Erde)" - deutet nämlich darauf hin, daß mit Ökumene alle Bewohner der Erde, d.h. alle Menschen, und nicht etwa nur die Christen, gemeint sind. Entscheidend ist jedoch folgende unumstößliche und an sich unumstrittene Erkenntnis der Christen: Der letzlich immer unbegreiflich bleibende Gott will sich allen Menschen zur Unmittelbarkeit schenken, so daß er selber die innerste Wirklichkeit all ihres Daseins wird.
All das war freilich in Deutschland grundsätzlich schon zur Zeit meiner Forschungsarbeit als Humboldt-Stipendiat zur Genüge bekannt, führte jedoch vielfach nur zaghaft zur Ausweitung des innerchristlichen Dialoges zu einem alle Menschen und Religionen als Partner suchenden Dialog. Zu den erfreulichen Ausnahmen gehörten schon damals die Universitäten Mainz und München: sie gaben mir zur Ausweitung der innerchrislichen kleinen Ökumene zu einer alle umfassenden großen Ökumene wertvolle Anregungen und das nötige Rüstzeug. An diesen Universitäten wurde somit die Geisteshaltung des II. Vatikanischen Konzils in wichtigen Fragen vorweggenommen. Das trug dazu bei, daß ich mich dank meiner Forschungsarbeit als Humboldtianer mit großen konziliaren Anliegen leichter identifizieren konnte.
Besonders gilt das für Konzilserklärung: "Nostra aetate" aus dem Jahr 1965, in der das Verhältnis zwischen der Kirche und den nichtchristlichen Religionen zwar ganz den Quellen der christlichen Offenbarung entsprechend, aber auf eine für viele überraschend positive Weise gesehen wird. Auf Unverzichtbares wird selbstverständlich nicht verzichtet, das Feld des faktisch bereits gegebenen oder mindestens anstrebbaren (ja anzustrebenden) Gemeinsamen wird aber ebensowenig verschwiegen.
Nähere Ausführungen und konkrete Belege sind aus Platzgründen an dieser Stelle nicht möglich. Die Grundzüge der Haltung des Konzils dürften aber deutlich geworden sein. Diese Haltung schwebte mir als Ideal bei meiner vielfältigen Tätigkeit im Dienst der großen Ökumene vor. Besonders sei hier mein jahrzehntelanges Mitwirken bei den Arbeiten der "Weltkonferenz der Religionen für den Frieden" erwähnt. Einen der Höhepunkte stellte dabei die 3. Weltversammlung (1979) in Princeton (USA) dar, deren Mitglieder anschließend vom damaligen Präsidenten Jimmy Carter empfangen wurden. Er sagte dabei u.a.: "Ich weiß, daß Sie in Ihren eigenen Überlegungen in Princeton eine neue Ebene der Demut erreicht haben, nämlich die Erkenntnis, daß keiner von uns alle Antworten weiß, daß wir davon profitieren, wenn wir aufeinander hören und daß es einen Ort für uns gibt, wo wir Brüder und Schwestern werden können, ohne auf unsere nationalen Grenzen und ohne auf unsere religiösen Unterschiede achten zu müssen."
Die "Weltkonferenz der Religionen für den Frieden" trägt
einen Namen, den die Christen unwillkürlich auch mit dem Weihnachtsfest
verbinden. Mögen die kleine und die große Ökumene dazu
beitragen, daß auf dem dornenvollen Weg zum Frieden nach so vielen
deprimierenden Erfahrungen mindestens kleine Schritte getan werden.
(A.G., Rektor der Theologischen Hochschule in Chur/Schweiz, war Humboldt-
Stipendiat 1960 in München und in Mainz)
Prof. Gajáry mit der First Lady R. Carter beim Empfang im Weißen Haus am 6. September 1979
NEUE HUMBOLDT-STIPENDIATEN
Prof. Dr. István M. Bodnár, Philosophie, Universität
"Eötvös Loránd", Budapest
Prof. Dr. Tamás Gajda, Anorganische Chemie, Universität
"József Attila", Szeged
Dr. Attila Imre, Physikalische Chemie, Ungarische Akademie der Wissenschaften,
Institut f. Atomenergie (KFKI), Budapest
Dr. Gábor Pethõ, Neurophysiologie, Medizinische Universität
Pécs, Institut f. Pharmakologie
Dr. Ferenc Weis, Wahrscheinlichkeitstheorie, Universität "Eötvös
Loránd", Budapest
NEUE HUMBOLDT-PREISTRÄGER
Dr. Ferenc Nagy, Biochemie der Pflanzen, Ungarische Akademie
der Wissenschaften, Biologisches Forschungszentrum, Szeged
Prof. Dr. Alfréd Zawadowski, Festkörperphysik, Technische
Universität Budapest, Institut f. Physik
HANNAH-ARENDT-PREIS FÜR DAS UNSICHTBARE KOLLEGIUM
Ágnes Erdélyi
Der vom Wiener Institut für Wissenschaften vom Menschen und von der Hamburger Körber-Stiftung gestiftete Hannah-Arendt-Preis wird seit 1995 jährlich einer mitteleuropäischen Institution verliehen, die in der Hochschulausbildung und in der Forschung herausragende Leistungen aufzuweisen hat. Der mit 300.000 DM dotierte Preis ging im Jahr 1995 an die Warschauer Graduate School for Social Research, im darauffolgenden Jahr an die Universität Olomouc und in diesem Jahr erhielt ihn das Budapester Unsichtbare Kollegium.
Das Unsichtbare Kollegium wurde im Jahre 1992 vom Philosophen György Bence, vom Bankier Gábor Princz und vom Arzt Dr. András Veér gegründet. Das Kollegium ist in dem Sinne unsichtbar, daß es über kein ständiges Gebäude verfügt: es existiert hauptsächlich in der Geistesgemeinschaft, die seine Studenten, Lehrer und Berater bilden. Die Studenten - jährlich sind es 20 - werden vom Kollegium im Rahmen einer kompetitiven Prüfung unter den Studenten der Richtungen Sprach- und Geisteswissenschaften, Rechtswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Soziologie und Theologie ausgewählt. Sie bekommen neben ihren Studien eine tutorale Betreuung unter Anleitung von hervorragenden Fachleuten aus Theorie und Praxis. Das Stipendium ermöglicht es ihnen, ihre ganze Zeit dem Lernen zu widmen.
Fünf Jahre nach seiner Gründung kann schon über die ersten Ergebnisse des Kollegiums berichtet werden. Von den ersten "Unsichtbaren" haben bis jetzt 25 Studenten ihre Studien beendet und stehen ausnahmslos am Anfang einer guten Karriere: 12 unter ihnen nehmen an ungarischen oder namhaften ausländischen Doktorprogammen teil, 13 Studenten fanden Anstellung in Bereichen von hohem Prestige. Den Erfolg der unsicht-baren Form eines Kollegiums weist unter anderem auch der Fakt aus, daß es jetzt nicht nur in Budapest, sondern auch in Cluj, Preßburg, Warschau und Vilnius Unsichtbare Kollegien gibt. Auch die ersten Bände der mit Unterstützung der Ford- Stiftung erarbeiteten Lehrbuchreihe des Kollegiums fanden positives Echo.
Nimmt man all dies zusammen, so ist das Unsichtbare Kollegium heute
schon außerordentlich sichtbar. Es wurde sichtbar durch die ausgezeichnete
Arbeit seiner Lehrer und Studenten und nicht zuletzt durch die Entscheidung
der von Lord Dahrendorf geleiteten und aus namhaften Persönlichkeiten
bestehenden Kommission, den international hochrangigen Hannah-Arendt-Preis
1997 dem Budapester Unsichtbaren Kollegium zu verleihen. (Adresse: H-1015
Budapest, Batthyány u. 32. IV. em., Tel/Fax: +(361)-201-9872)
(Á.E., Direktorin des Unsichtbaren Kollegiums, war 1986/87 und 1990
Humboldt-Stipendiat in Regensburg)
ERSTE DIPLOME IN DER DEUTSCHSPRECHIGEN INGENEURAUSBILDUNG
AN DER TU BUDAPEST
Am 2. Oktober 1997 erhielten die ersten Absolventen der Deutschsprachigen Ingenieurausbildung in den Studien-gängen Bauingenieurwesen, Maschinenbau und Elektrotechnik/Informatik, die die Technische Universität Budapest mit der Universität Karlsruhe anbietet, im Rahmen einer akademischen Feierstunde ihre Diplomurkunden.
Die Rektoren der Partneruniversitäten, Prof. Dr.-Ing. Sigmar Wittig und Prof. Dr. Ákos Detrekõi, unterstrichen in ihren Reden ebenso wie der ungarische Minister für Industrie, Handel und Fremdenverkehr, Dr. Szabolcs Fazakas, und der deutsche Botschafter in Budapest, Hasso Buchrucker, die Bedeutung dieses Studienprogramms sowohl für das internationale Engagement und die wissenschaftliche Zusammenarbeit der beiden Hochschulen als auch für die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem deutsch- sprachigen Raum und Ungarn.
Die Deutschsprachige Ingenieurausbildung wurde 1992 ins Leben gerufen. Basis war die bereits seit 27 Jahren bestehende wissenschaftliche Kooperation zwischen der Universität Fridericiana zu Karlsruhe und der Technischen Universität Budapest.
Für die Studiengänge wurden die Curricula an der TU Budapest so gestaltet, daß sie mit denen an der Universität Karlsruhe kompatibel sind. Dabei findet die Ausbildung in den ersten vier Fachsemestern an der TU Budapest durch ungarische Dozenten, und durch Lehrbeauftragte von der Universität Karlsruhe, ausschließlich in deutscher Sprache statt. Das fünfte Fachsemester verbringen bis zu 50 Studierende an der Universität Karlsruhe und setzen vom sechsten Fachsemester an ihr Studium an der TU Budapest in ungarischer Sprache fort. Die abschließende Diplomarbeit wird an den Instituten der Universität Karlsruhe angefertigt.
Das erste Studienjahr begann mit 30 Studenten. Ihre Anzahl wuchs inzwischen auf über 300 an. Die Absolventen der Deutschsprachigen Ingenieurausbildung besitzen gute Möglichkeiten bei den in Ungarn anwesenden deutsch-ungarischen Unternehmen.
Dank des DAAD, des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Stuttgart und der Universität Karlsruhe ist es möglich, daß die TU Budapest dieses Programm erfolgreich durchführen kann.
Katalin Mádl
(von links) Dr. Szabolcs Fazakas, Prof. Dr. Ákos Detrekõi, Prof. Dr.- Ing. Sigmar Wittig, Dr. Hannes Porias, Botschafter der Österreichischen Republik, Hasso Buchrucker, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland und Hannelore Bossmann (DAAD)
KURZE NACHRICHTEN
Prof. Dr. János Németh (64), Jurist, Präsident der Landes- Wahlkommission (1990-1997) wurde durch das Parlament am 17. Juni 1997 zum Mitglied des Verfassungsgerichts der Republik Ungarn gewählt. Er war Humboldt-Stipendiat in München (1973/74) und in Köln (1984). (Adresse: H-1015 Budapest, Donáti u. 35-45. Tel: +(361)-212-1164, Fax: +(361)-214-9466).
Prof. Dr. János Kornai (69), Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Harvard- Universität sowie Permanent Fellow am Collegium Budapest erhielt am 13. August 1997 die hohe französische Auszeichnung: den Officier dans lOrdre national de la Légion dHonneur. Er war Humboldt-Preisträger in München (1982/83). (Adresse: Collegium Budapest, H-1014 Budapest, Szentháromság tér 2., Tel: +(361)-457-7600, Fax: +(361)-457-7610).
Prof. Dr. András Lipták (62), Chemiker-Professor an der Universität Kossuth Lajos in Debrecen, wurde am 1. September 1997 zum neuen Präsidenten des Ungarischen Förderungsfonds der Wissenschaftlichen Forschung (OTKA) ernannt. Er war Humboldt-Stipendiat in München (1971/72 und 1989). (Adresse: H-1087 Budapest, Könyves Kálmán krt. 48-52., Tel/Fax. +(361)-210-0167).
Der 3. Geburtstag des Neuen Pester Lloyd, der deutschsprachigen Zeitung Ungarns wurde am 6. September 1997 in der Petneházy Huszár Csárda (Adyliget) gefeiert. Gastgeber des angenehmen Abends waren Gotthard B. Schicker, Chefredakteur, und András Heltai-Hopp, Stellv. Chefredakteur der Zeitung. (Adresse: H-1055 Budapest, Falk Miksa u. 30. , Tel: +(361)-269-3009, Fax: +(361)-269-3035).
Prof. Dr. Lajos Vékás (58), Gründungsrektor des Collegium Budapest Institute for Advanced Study (1992-1997) und erster freigewählter Rektor der Universität Eötvös Loránd (1990-1993) hat seine Antrittsrede als ordentliches Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften am 24. September 1997 unter dem Titel Privatautonomie und Verfassung gehalten. Er war Humboldt-Stipendiat in Freiburg/Br. (1977/78) und in Heidelberg (1986). (Adresse: Collegium Budapest, H-1014 Budapest, Szentháromság u. 2., Tel: +(361)-457-7600, Fax: +(361)-457-7610).
Der Humboldt-Club Rumäniens hat ein Kolloquium in Brasov vom 12.-14. September unter Mitwirkung der Alexander von Humboldt-Stiftung veranstaltet. Dr. Róbert Ohmacht hat den Humboldt-Verein Ungarn vertreten. 140 Teilnehmer haben in sieben Fachgruppen ihre konkreten Fragen besprochen. Die Erlangung des Doktorgrades dauert in Rumänien zu lange, wobei die Nachbarländer - wie auch Ungarn - durch Stipendien jungen Wissenschaftlern aus Rumänien helfen könnten.
Der Kroatische Humboldt-Klub hat ein Symposium vom 22.-25. Oktober 1997 in Zagreb zum Thema Wissenschaft und Ethik veranstaltet, woran von Seiten des Humboldt-Vereins Ungarn Dr. Attila Kuba teilgenommen hat. Der Klub feierte sein 5jähriges Bestehen. (siehe auch Berichte im Internet).
25. August 1998