ZOLTÁN BAY (1900 - 1992)

 

Zoltán Bay wurde zur Jahrhundertwende, am 24. Juli 1900, in Gyulavári geboren. Die Familie stellte seit vier Generationen reformierte Priester. Sein Vater starb früh, bereits im Jahre 1910. Die Mutter erzog die Kinder mit ihrer bescheidenen Rente, sowie mit dem Einkommen, das sie das Vermieten von drei der fünf Zimmer an Studenten erwarb. Gemeinsam mit seinen Brüdern erhielt Zoltán Bay seine Schulausbildung im reformierten Gymnasium zu Debrecen.

Später besuchte er sich die Buda pester Universität, wo er - mangels einer selbststä ;ndigen naturwissenschaftlichen Fakultät - an einer Philosophischen Fakultät Physik studierte. Er schloß seine Studien als Physiklehrer für Mittelschulen im Jahre 1923 mit gutem Erfolg ab, blieb jedoch bei Isidor Fröhlich am Lehrstuhl für Theoretische Physik, wo er an den Untersuchungen zur Polarisierung des Lichtes teilnahm. Nach vier Jahren als Assistent verteidigte er seine Dissertation 1926 mit dem Prädikat "sub auspiciis gubernatoris". Ein Studium ermöglichte ihm einen zweijährigen Aufenthalt in Berliner Collegium Hungaricum, also in der Stadt, deren naturwissenschaftliche Institutionen zu dieser Zeit noch von Namen wie Einstein, Planck, Heisenberg, Nernt, Haber, Laue, Hahn und Schrödinger charakterisiert waren. Anfangs arbeitete Bay in der Physikalischen Reichanstalt, dann im Physikalisch-Chemischen Institut der Universität, wo er sich mit Problemen der aktivierten Gase beschäftigte. Seine Forschungsergebnisse fanden Beachtung, so konnte er mit Hilfe eines deutschen Stipendiums weitere Jahre in Berlin arbeiten.

Im Jahre 1930 kehrte er nach Ungarn zurück und begann seine Tätigkeit als Professor am Lehrstuhl für Theoretische Physik der Szegeder Universität "Franz Joseph". In dieser Stadt arbeitete damals auch der spätere Nobelpreistäger Albert Szent-Györgyi. Die bis zum Tode andauernde Freundschaft der beiden Wissenschaftler begann zu dieser Zeit, beruhend auf der gleichen Mentalität und der gleichen Weltanschauung.

Auf den jungen Professor wurde bald Lipót Aschner, der Generaldirektor und Miteigentümer der Tungsram-Werke und einer der effektivsten Industriemanager seiner Zeit, aufmerksam. Das bereits damals teilweise amerikanisches Eigentum darstellende Unternehmen gehörte dort zu den bedeutendsten Industrieeinrichtungen des Landes. Aschner gründete dort ein Forschungslabor und bot Bay dessen Leitung an. So began der junge Wissenschaftler, sich mit angewandter Industrieforschung zu beschäftigen, arbeitete jedoch parallel dazu auch zu Fragen der theoretischen Physik.

Die Unterstützung der Tungsram-Werke war auch die Grundlage von Bays Lehrstuhl für Atomphysik

an der Technischen Universität Budapest. Während des zweiten Weltkrieges wurden die Tungsram-Werke zu einem der wichtigsten Rüstungsbetriebe. Aus dem Direktor des Forschungslabors wurde 1944, gleichsam gegen seinen Willen, einer der Direktoren des Unternehmens. Der Schutz und das Verstecken von Verfolgten, sowie die Rettung des Unternehmens wurden zu seinen täglichen Aufgaben, denen er sich immer mit großer Menschlichkeit stellte.

Im Jahre 1942 begann sich Bay mit der Entwicklung der ungarischen Radartechnik zu beschäftigen. Mit dieser anfangs nur ungern übernommenen Arbeit hatte er einen der größten wissenschaftlichen Erfolge seines Lebens. Am 6. Februar 1946 gelangten von Zoltán Bay und seinen Mitarbeitern zum Mond gesendete Radarzeichen an den Ausgangspunkt zurück. Damit waren die beiden Himmelskörper direkt miteinander verbunden, und zwar mangels der entsprechenden Geräte durch die Entwicklung und Anwendung einer originellen Methode der Zeichenintegration.

Die Nachricht von den ungarischen Ergebnissen verbreitete sich schnell, Zoltán Bay wurde weltbekannt. Mit seiner Arbeit hat er eigentlich eine neue Methode der Weltraumforschung, die Radarastronomie, aus der Taufe gehoben.

Im Jahre 1947 reiste er nach Amerika, wo die Kollegen den Professor zu überzeugen versuchten, nicht nach Ungarn zurückzukehren, doch Bay entschied sich für die Heimkehr. Im gleichen Jahr heiratete er Júlia Herczegh aus Siebenbürgen.

Im Jahre 1948 wurden seine Bewegungsmöglichkeiten immer enger. Im Mai dieses Jahres erwartete er bereits in Wien seine Familie, die Ungarn über die grüne Grenze verließ. Sie ließen sich in Amerika nieder, wo Bay zuerst 6 Jahre lang als Professor der Goerge Wahington Universität (Washington DC) arbeitete. Danach folgte er dem Ruf auf die Abteilung für Strahlenphysik des National Bureau of Standards. Seine Forschungsgebiete waren die Relativitäts- und Gravitations-theorie, sowie die Fragen der Lichtgeschwindigkeit. Hier erzielte er das am meisten anerkannte wissenschaftliche Ergebnis, die Bestimmung der Länge eines Meters auf einer neuen Grundlage, und zwar als Entfernung, die das Licht in einer bestimmten Zeit zurücklegt. Sein Vorschlag wurde von der Internationalen Meterkonvention angenommen.

In Amerika fühlte sich Bay als Ungar. Als sich die Möglichkeit ergab, Ungarn zu besuchen, machte er davon Gebrauch, zuerst im Jahre 1973.

Am 4. Oktober 1992 verstarb Zoltán Bay in Washington an Folgen einer Lungenentzündung. Seinem Wunsch entsprechend wurde er in seinem Heimatdorf, in Gyulavári, beigesetzt.