Zweite Ungarische Humboldt-Konferenz
Neue Zeitung
23. November 2001.
45. Jahrg./Nr. 47
Zweite Ungarische Humboldt-Konferenz
Die Humboldt-Verein in Ungarn wurde 1991 von zwölf Wissenschaftlern gegründet, die man "Humboldtianer" nennt. Zu ihnen gehören gegenwärtig 319 einheimliche Wissenschaftlerinnen. Das sind Zweidrittel jener
Stipendiaten, die von der renommierten deutschen Alexander von Humboldt-Stiftung mit Sitz in Bonn mit einem
Forschungsstipendium in Deutschland gefördert wurden und werden. Die ersten vergleichbaren Stipendien wurden 1927 für ungarische Bewerber vergeben. Seit 1997 verfügt der Verein auch über eine deutschsprachige
Zeitschrift. Die "Humboldt Nachrichten" erscheinen jährlich zweimal. Sie werden, auch durch die
Donauschwäbische Kulturstiftung des Landes Baden-Württenberg gefördert. Außerdem gibt es bereits eine aktualisierte zweite Ausgabe des Ungarischen Humboldt-Almanachs, erklärte Vereinsvorsitzender János Fischer vorletzten Freitag bei einem Pressegespräch in Budapest.
Es wurde dabei an die erste Tagung der Humboldtaner vor fünf Jahren in Fünfkirchen erinnert. Damals wurden
Fragen der Lebensqualität diskutiert. Im Mittelpunkt der jetzigen dreitätigen Konferenz an der Ungarischen
Akademie der Wissenschaften zu Budapest (MTA) stand das Thema "Informations- und Wissensgesellschaft".
Mit der Veranstaltung wurde des zehnjährigen Jubiläums der Vereinigung gedacht. Der Einladung folgten an die
150 Teilnehmerinnen aus Ungarn, Deutschland und anderen Ländern. An der Pressekonferenz nahm auch die
Führungsspitze der 1863 gegründeten und 1953 wieder ins Leben gerufenen Alexander von Humboldt-Stiftung teil. Sie hat weltweit mit 130 Vereinen Kontakt, denen etwa 25.000 Mitglieder angehören. Den Festvortrag
"Sprachen öffnen die Welt" hielt der Präsident der Stiftung, Professor Wolfgang Frühwald.
ER würdigte vor der Presse die Rolle der wissenschaftlichen Elite beim Demokratisierungsprozess in den
Staaten der Region. Unter den Humboldtianern befinden sich zahlreiche Professoren, u. a. der Leiter der
Germanistischen Instituts an der ELTE-Universität Budapest, Karl Manherz, der erste Präsident des Verfassungsgerichtshofes László Sólyom wie auch sein Nachfolger, der jetzt amtierende János Németh. Einen wichtigen Aspekt der Humboldt-Konferenz bildete der Dialog mit den Humboldtianern in den Nachbarstaaten
Ungarns. Professor Frühwald verwies auf die Bedeutung der regionalen Verständigung und kündigte eine weitere Tagung in Sofia an. Der Präsident unterstrich die Bedeutung der Nachkontakte, die einem jeden
Humboldtianer bis zu seinem Lebensende gewährt werden. Beim Pressegespräch wurde mit Stolz vermerkt, dass alle Nobelpreisträger Ungarns vorher von der Humboldt-Stiftung gefördert wurden.
Bisher wurden 13 ungarische Wissenschaftler mit dem Wolfgang-Paul-Preis der Humboldt-Stiftung ausgezeichnet. Der neuerste Preisträger ist der Pflanzenbiologe Professor Ferenc Nagy vom MTA-
Forschungszentrum Szegedin. Ihm wurde am 6. November dieses Jahres diese hohe Anerkennung, dotiert mit
4,5 Mio. DM, überreicht. Mit diesem Betrag sollen seine Forschungsprojekte in Deutschland vorangetrieben werden.
Albin Lukács
2001. 12. 7.