Acht Jahre des Humboldt-Vereins Ungarn (1991-1999)

Erst nach dem Systemwechsel konnte der Humboldt-Verein Ungarn, die Gesellschaft der ehemaligen ungarischen Humboldtianer, gegründet werden, denn das Land brauchte die Zivilorganisationen. So entstanden in einigen Jahren rund 50 Tausend Vereinigungen und Stiftungen.

Wenn man auch die Vorkriegszeit einrechnet, beträgt die Gesamtzahl derjenigen, die mit einem Humboldt-Stipendium in Deutschland waren, etwa 450. Das Humboldt-Stipendium kann ein promovierter Wissenschaftler im Falle einer erfolgreichen Bewerbung bei der Alexander von Humboldt-Stiftung (D-53173 Bonn, Jean-Paul-Str. 12.) erhalten. Mit dem Humboldt-Stipendum kann ein Humboldtianer eine Forschungstätigkeit 1-2 Jahre lang in Deutschland an einem Forschungsinstitut (meistens an einer Universität) ausüben. Die Humboldtianer sind sowohl Natur-, wie auch Geisteswissenschaftler.

Weltweit alleinstehend ist unter den rangigen Stipendien die Nachkontakt-Arbeit der Alexander von Humboldt-Stiftung, welche bedeutet, daß die Organisation die Beziehungen zu ihren ehemaligen Stipendiaten für die Zeit ihres ganzen weiteren Lebens aufrechterhält. Diese Idee stammte von Dr. Heinrich Pfeiffer, der der erste Generalsekretär der Stiftung war. Aus Dankbarkeit für die Tätigkeit der deutschen Stiftung entstanden 85 Humboldt-Vereinigungen der insgesamt 20 000 Humboldtianer in 40 Ländern.

Im Jahre 1991 haben 12 Humboldtianer die ungarische Gesellschaft gegründet. Die Gesellschaft ist kein geschlossener Klub. Die Mitgliedschaft ist allen Interessenten geöffnet, die gerne die ungarisch-deutschen wissenschaftlichen Kontakte pflegen wollen. Der Vorsitzende des Vereins ist der Chemiker Dr. János Fischer, Abteilungsleiter für Forschung der Richter AG. (Adresse: H-1475 Budapest 10, Pf. 27.). Der Sitz des Humboldt-Vereins Ungarn ist seit 1997 Szeged. Der Sekretär des Vereins ist der Mathematiker und Universitätsdozent Dr. Attila Kuba (Adresse: JATE, Inst. f. Angewandte Informatik, H-6720 Szeged, Árpád tér 2., E-mail: MHE@inf.u-szeged.hu).

Jedes Jahr hält die Gesellschaft ein Jahrestreffen ab, zumeist an einer Universität, im Goethe-Institut Budapest oder im Collegium Budapest. Das neunte Jahrestreffen wird für den 25. März 2000 an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften geplant. Die Mandatenperiode des jetzigen Vorstandes wird ablaufen und die Mitgliedschaft wird einen neuen Vorstand für drei Jahre (2000-2003) wählen.

Seit 1996 entwickelte sich das jährlich zweimal erscheinende Mitteilungsblatt zur Zeitschrift "Humboldt Nachrichten", welche das Ziel hat die deutsch-ungarischen wissenschaftlichen Kontakte zu pflegen. In letzter Zeit wurden vermehrt thematische Hefte veröffentlicht, und so kamen die folgenden Themen vor: Diplomatie, Theologie, Turkologie, Wirtschaftsgeschichte, angewandte Physik und Geographie. Eine Sonderausgabe ist im März 1999 aus Anlaß des 200jährigen Jubiläums der Amerika-Reise von Alexander von Humboldt erschienen. Im September veröffentlicht die Gesellschaft eine Goethe-Studie von Antal Szerb aus Anlaß des Goethe-Jahres. Weiterhin wird über die wertvollen Goethe-Reliquien der Ungarischen Akademie der Wissenschaften berichtet, welche Balthazar Elischer gesammelt hat.

Die weiteren Ziele können folgenderweise formuliert werden: 1. die Herausgabe der 2. Auflage des Ungarischen Humboldt-Almanachs, 2. die Organisation der II. Ungarischen Humboldt-Konferenz zum Thema der Informationsgesellschaft und 3. die Fortsetzung der nunmehr möglichst vierteljährlich erscheinende Herausgabe der "Humboldt Nachrichten".

Es gibt auch die Vorstellung, daß das jetzige virtuelle deutsch-ungarische Wissenschaftszentrum eine eigene Infrastruktur erhalten könnte, am besten in einem gemeinsamen Gebäude mit dem Goethe-Institut, wodurch endlich ein würdiges deutsch-ungarisches kulturelles und wissenschaftliches Zentrum in Budapest errichtet werden könnte, welches eine wichtige Ausstrahlung nicht nur auf Ungarn, sondern auf die ganze Region hätte, wo die deutschsprachige Kultur und Wissenschaft eine wichtige Rolle spielt.

Dr. János Fischer

Humboldt-Verein Ungarn

Präsident

Budapest, 28. Juni 1999